Michael Appelt
Klaus Vyhnalek
Reiner Riedler
Rita Newman
Frank Robert
Kurt Hörbst
Christoph Lingg
Arabella Schwarzkopf
 
 

Ubi bene, ibi patria. Wer empfindet nicht so wie Cicero: Wo man sich wohl fühlt, da ist Heimat. In erster Linie ist damit Geografisches gemeint. Orte, an denen wir geboren wurden, aufgewachsen sind, unter freiwilligen Umständen leben und irgendwann einmal sterben möchten. „Heimat“, der deutsche Begriff, bedeutet jedoch so viel mehr, dass eine deckungsgleiche Übersetzung in andere Sprachen kaum möglich ist.
Das englische home ist zu zentriert. Wenn man wissen will, woher jemand stammt, dann gilt die Frage dem native country oder im Französischen dem pays natal. Die Spanier und Italiener bezeichnen ihre Herkunft als patria, Vaterland, und für einen Moment assoziiert das geistige Auge damit die von den „Söhnen“ dieser (und anderer) Länder vergossenen Blutopfer. Das Wort „Heimat“ spielt in Deutschland und Österreich eine größere, wenngleich (heute) umstrittene Rolle durch das Erbe der Romantik und ihrer Nachfolgeströmungen. Dazu gehört auch die völkische Bewegung und deren problematische Rolle in der Weimarer Republik, in der die Heimatpflege und Heimatschutzbewegung von der NSDAP aufgegriffen und in ihren Dienst gestellt wurde. Auch Jahre nach dem “Dritten Reich” haftete noch immer schwacher Aasgeruch an der “schönen Heimat“, gefördert durch die Nachkriegs-Produktion einschlägiger Filme und Musik. Deren Inhaltsleere entpuppt sich beim nochmaligen Hinschauen nicht selten als kodifizierte Fortführung rassischer Klischees.

Entertainment unter der Dachmarke „Heimat“ wird nach wie vor betrieben, das Phänomen selbst ist jedoch viel facettenreicher. Vor einiger Zeit erstellten Sprachforscher eine Umfrage unter Deutschen zum ''Heimat''-Begriff. Die beiden universellsten Umschreibungen lauteten:
(a) Heimat ist das, wonach man Heimweh hat.
(b) Heimat ist dort, wo man seine Freunde hat.
Zur ersten Definition passt ein Zitat von Erika Mann: „Die Fremde ist herrlich, solange es eine Heimat gibt, die wartet.“ Weniger herrlich ist die Sehnsucht nach einer Heimat, in die man nicht mehr zurückkehren kann. Falls der Weg in die Vergangenheit irgendwann doch wieder möglich sein sollte, decken sich die Erinnerungen kaum mehr mit der Gegenwart. Alfred Polgar schreibt über das typische Emigranten-Schicksal: „Die Fremde ist nicht Heimat geworden. Aber die Heimat Fremde.“ Diese Entwurzelung betrifft aktuell Ströme von Migranten aus dem Nahen Osten und vom afrikanischen Kontinent. Ängstlich zieht die EU ihre Außengrenzen hoch und erweitert sich gleichzeitig Richtung Schwarzes Meer. Wenn auch unter Protest: zahlreiche EU-Bürger fürchten einen Ansturm von Zuwanderern, vor allem nach einem Beitritt der Türkei. Neben ökonomischen Zweifeln stellt sich dabei eine gewichtige Frage: Wird sich eine bis dahin auf 100 Millionen Einwohner angewachsene türkische Bevölkerung und ihr mehrheitlich islamischer Glauben mit den Werten des christlichen Abendlandes vertragen? Im Falle von Unsicherheiten, besonders bei scheinbar inkompatibler Fremde, werden schnell Barrikaden vor die Heimat geschoben.

Besser, man konzentriert sich weniger auf Grenzen und spinnt seine Heimat – ganz nach Cicero - rund um das eigene Wohlbefinden, denn “Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl!” (singt Herbert Grönemeyer). Es ist beruhigend zu wissen, dass dieses Gefühl weltweit zu finden ist. Auf allen Breiten- und Längengraden leben Freunde und Verwandte, und via Internet versammelt man seine Lieben abends um sich. Wenn man sich damit begnügen kann, dann ist Heimat daheim und überall.